von Salvatore Giacomuzzi

Salvatore Giacomuzzi

Der Begriff des Inflektivs wird Nicht-Germanisten weniger geläufig sein. Es bezeichnet eine Verbform, welche durch das Weglassen von Infinitivendungen wie -n oder -en generiert wird (beispielsweise ächz statt ächzen etc.). Zu Ehren von Erika Fuchs wird es heute ebenso als Erikativ bezeichnet.

Erika Fuchs verlieh mit ihrem Sprachgenie den Entenhausener Figuren rund um Donald Duck und Micky Maus ihre sprachliche Identität im deutschen Sprachraum und nahm so wesentlichen Einfluss auf die neuere Sprachentwicklung.

Schon 1991 wurde Erika Fuchs von Gottfried Helnwein in seinen Gemälde-Zyklus Die 48 bedeutendsten Frauen des Jahrhunderts aufgenommen. Also schon drei Jahre zuvor als sie 1994 ihre erste literarische Auszeichnung, Kleinkunstpreis Morenhovener Lupe, erhielt. Die Laudatio hielt die bekannte Literaturkritikerin Elke Heidenreich. Im Jahre 2001 wurde ihr der Heimito-von-Doderer-Literaturpreis, für ihren Beitrag zur Entwicklung der deutschen Sprache, überreicht. Auch Farin Urlaub (Die Ärzte) widmete Erika Fuchs ein Solo-Album.

Die Originalnamen der Disney-Figuren hätten im Deutschen wenig Sinn gemacht:

Die Panzerknacker: Beagle Boys

Kater Karlo: Black Pete/Peg-Leg Pete

Tick, Trick und Track: Huey, Dewey and Louie

Gustav Gans: Gladstone Gander

Daniel Düsentrieb: Gyro Gearloose

Klaas Klever: John Rockerduck

Dagobert Duck: Scrooge McDuck

Hinter der Sprache verstecken sich psychologische Aspekte wie Kognitionen und Motivationen, Verarbeitungsmechanismen und vor allem unsere Kommunikation. Sprache und die Fähigkeit zur Kommunikation gehören und definieren menschliches Dasein. Wir gestalten mit der Sprache ein hohes Komplexitätsniveau der Mitteilung. Darüber hinaus gestaltet sich damit auch die Metakommunikation.

Sprache beeinflusst unser Denken und Handeln. Worte entfalten ihre Wirkung und beeinflussen tagtäglich denken und handeln und wie wir uns erinnern. Psychotherapie erzeugt nachweißlich Veränderungen in Hirnstrukturen.

Schlussendlich können viele Comicfiguren auch mit sehr menschlichen Charakteren gut in Verbindung gebracht werden.  Dies geht vom liebenswürdigen Tollpatsch bis hin zum schweren Psychopathen mit ausgeprägter Narzissmus Störung.

Comics beeinflussen Kinder und groß gewordene Kinder seit Jahrzehnten. Waren sie früher als Schundhefte verschrien beginnt man nunmehr zu begreifen, welchen Einfluss sie wirklich haben. Wenn Kinder älter werden entfalten sie ihre Wirkung. Wer wäre nicht gern einmal in die Rolle von Donald oder Dagobert Duck geschlüpft? Wer hätte nicht einmal als Kind für kurze Zeit in Entenhausen leben wollen. Vielleicht begleiten diese Gedanken Erwachsene auch heute noch. Eingefleischte Donald-Fans bezeichneten sich schon in den 70er Jahren als Donaldisten.

Erika Fuchs hat mit ihrer Übersetzungsarbeit nicht nur Zeichen gesetzt, sondern sie erschuf ein neues Sprachuniversum, welches größtenteils noch unerforscht ist. Es bietet über Jahrzehnte hinaus die Möglichkeit von interdisziplinären Langzeitstudien, welche bis dato noch nicht aufgegriffen wurde.